COUCH-GESCHICHTEN

COUCH-GESCHICHTEN 23.22 – Gedanken in der Stille

Ich sitze an meinem Esstisch und rühre in meinem Kaffee. Ein Stückchen Brot folgt den kreisenden Bewegungen des Löffels in der Suppe und tut so, als ob es ertrinken würde. Schnell will ich es retten, da ist es schon so vollgesogen, dass es in dem Braun verschwindet. Doch mein kräftiges Quirlen bringt es wieder an die Oberfläche. Ich fange es mit dem Löffel auf.

Während ich dieses Spiel meiner Hand beobachte, lasse ich meine Gedanken ziehen.
Gestern bin ich neunzig geworden. Ich habe immer gesagt, dass ich neunzig Jahre alt werde, aber dass ich einmal älter werde, habe ich nicht gedacht.

Vor fünfunddreißig Jahren bin ich in meine Wohnung hier eingezogen. Sie hat einen großen Balkon, auf dem ich schon einiges ausprobiert habe, Rosen züchten, dann versuchte ich es mit Kräutern und Gemüse. Lange hatte ich ein weißes Blumenmeer. In diesem Kleid war mir der Balkon am liebsten. Das Pflanzen habe ich aufgegeben, es ist mir zu mühsam geworden.

Oft saß ich an meinem Balkontisch an meinem Laptop und mein Blick schweifte in die Ferne, hin zum Hausberg meiner Stadt. Dieser Ausblick ist mir über die Jahre lieb geworden. Es verbinden mich viele Erinnerungen mit diesem Berg.

In meiner Wohnung hat sich in den fünfunddreißig Jahren nicht viel geändert. Ich habe alles so belassen, wie ich es beim Einzug eingerichtet habe. Die weißen Möbel sind immer noch so blank wie am Anfang. Und das glatte Beige der Küche glänzt immer noch. Ich habe mich auch besonders um alles gekümmert all die Jahre.

Ich mache alles selbst und brauche noch keine Hilfe. Und das ist mir und war mir immer wichtig, die Selbstständigkeit.

Auch habe ich mit der Technik, so gut es ging, Schritt gehalten. Mit neunzehn Jahren hatte ich meinen ersten Computerkurs, das war 1987, oh ist das lange her.
Heute bin ich stolze Besitzerin eines kleinen Laptops samt Drucker und WLAN-Anbindung, eines iPads, eines Smartphones und eines elektronischen Klaviers, und, ich kann mit diesen Geräten gut umgehen und brauche nur bei gröberen Sachen, wie Festplattentausch, Hilfe, und da hilft mir mein Neffe, der Maschinenbauer.

Einen Blog führe ich auch seit nunmehr fast vierzig Jahren. Dieses Schreiben hat mir viel Freude bereitet. Es haben sich auch einige Bekanntschaften und sogar Freundschaften aus der Kommunikation mit Lesern entwickelt.

Ich habe die letzten fünfunddreißig Jahre allein gelebt. Das ist das Beste, was mir passieren konnte. Ich bin richtig süchtig geworden, nach dem Alleinsein. So war es mir möglich, meinen eigenen Zielen und Sehnsüchten zu folgen. Und da gibt es noch so einige, deren Erfüllung ich noch harre.

Einen Traum habe ich mir bis jetzt noch nicht erfüllt. Ich wollte immer gerne mal Ebbe und Flut sehen an der Nordsee. Diese Reise kam einfach nicht zustande. Vielleicht wird es meine letzte Reise werden.

Ich bedaure nichts in meinem vergangenen Leben. Jede Erfahrung, die ich machte, brachte mich ein Stückchen weiter. Die Entscheidungen, die ich traf, waren zu dem jeweiligen Zeitpunkt richtig, später hätte ich wohl vielleicht manches Mal in derselben Situation anders entschieden.

Viele Menschen haben meinen Weg gesäumt, sind gekommen und wieder gegangen. Geblieben sind wenige und die geblieben sind, das sind echte Freunde, wobei viele schon den irdischen Weg verlassen haben.

Was mir immer Lebenselixier war, war und ist mein Glaube an Gott. Er war mir immer nah und ist es immer noch. Er wird sich an mich erinnern, wenn ich dann mal einschlafe, davon bin ich überzeugt und das liegt nicht mehr weit in der Ferne…

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Ihr Lieben, das ist eine Geschichte, wie ich es mir vorstelle, wie es ist,
wenn ich 90 Jahre alt bin. Ich habe einfach meinen Gedanken freien Lauf gelassen.
Alles Liebe Euch von
Maria

COUCH-GESCHICHTEN 22.22 – Besondere Musik

COUCH-GESCHICHTEN, MUSIK

COUCH-GESCHICHTEN 22.22 – Besondere Musik

Es ist Nacht. Stille um mich herum. Nur der Ventilator rauscht. Meinen Laptop auf meinen Knien. Licht nur vom Bildschirm.

Besondere Musik im Ohr.

Ganz zart schmiegen sich die Töne heran. Wie Tischtennisbälle die leise von Saite zu Saite hüpfen. Dann fließen sanfte Laute wie Nieselregen an einem Rosenstängel entlang, um dann anschwellend sich in einem Sternenregen zu ergießen.

Ich lausche gebannt.

Eine neue Notenfolge hebt sich fein aus einem Nebel heraus und schwebt dem Himmel zu. Sie bildet eine weiße Wolke. Ein Orchester nimmt diese Laute an der Hand und trägt sie begleitend durch die Nacht.

Fast schon endet das Lied in einer Stille, doch wiederholen sich nun zum Abschluss die zarten Töne vom Beginn. Sie bäumt sich nochmals auf, die Klangwolke, um sich dann auszustrecken und in einem glitzernden Fluss zu versiegen.

Meine Seele versiegt mit…

COUCH-GESCHICHTEN

COUCH-GESCHICHTEN 21.22 – Der Irrweg

Sie stand damals an einer Weggabelung und entschied sich für den linken Weg.
Er war link.
Der rechte Weg wäre
recht gewesen.

Aber sie traf diese Entscheidung.

Und diese Entscheidung bescherte ihr scheinbare Unbeschwertheit und Leichtigkeit, sodass sie nicht darauf achtete, wie ihre eigentlichen Werte mit den Füßen getreten wurden. Werte wie Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Geduld, Frieden und Liebe. Eine vermeintliche Freundschaft ließ sie in dem Glauben, diese sei echt. Sie hatte es versäumt, genau hinzusehen und hat sich forttragen lassen von süßem Lob und ihrer eigenen Harmoniesucht.

Einmal war sie schon sehr nachdenklich, als sie merkte, dass dieser Freund genau das Gegenteil sagte von dem, was er ihr früher gesagt hatte. Aber sie beruhigte sich mit dem Gedanken oder Glauben, dass Menschen sich ändern können.

Nun steht sie neuerlich an einer Weggabelung, einer Querstraße, die eine Richtung ist genau entgegengesetzt zur anderen. Die Entscheidung ist schwierig, aber die Erfahrung lehrt sie, Links als link zu sehen und Rechts als recht.

Dieses Mal entscheidet sie sich für Rechts.

Sie beginnt diesen Weg zu gehen und erkennt die fatalen Folgen des linken Weges, den sie gegangen war. Und da ist sie traurig über ihre Naivität. Einen Irrweg des Denkens hatte sie damals eingeschlagen.

Sie weiß, dass sie die Folgen der falschen Entscheidung tragen muss…

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COUCH-GESCHICHTEN 20.22 – Das Wortblumengeschenk

COUCH-GESCHICHTEN

COUCH-GESCHICHTEN 20.22 – Das Wortblumengeschenk

Ein wunderschöner Herbsttag war das letztes Jahr. Ich war draußen. Sie taten gut, die tieferen Temperaturen, nach dem heißen Sommer. Die Blätter an den Bäumen und am Boden spielten mit ihrer Farbenpracht, die durch das Glitzern des Morgentaus noch verstärkt wurde. Vom tiefen Rot bis zum prächtigen Gelb hin zum schwachen Grün – so präsentierte sich die Natur von ihrer schönsten Seite. Meine Lieblingsjahreszeit.

Ich nenne es die „reife“ Jahreszeit. Wenn man das Jahr mit einem Lebensalter vergleicht, ist der Herbst jene Zeit wo schon die turbulenten Lebensjahre vorbei sind. Die Frucht ist gereift. Alles was ein Mensch bis zu diesem Zeitpunkt gelernt hat, kann schon als Ertrag genossen werden. Die Gedanken und das Verhalten sind nicht mehr unbeholfen, wie oft im Frühling. Gedanken werden von viel Erfahrung geformt. Und das Ergebnis sind manchmal wunderschöne Gespräche mit Gleichgesinnten.

Ich hatte solche „Herbstgespräche“ diesen Sommer über. Vier Wochen lang durfte ich bei meiner Mutti in der Türkei verbringen. Wir, Mutti und ich, konnten uns wieder einmal so richtig ausgiebig unterhalten, so von Angesicht zu Angesicht, ohne Ablenkung. Wir haben über kleine Dinge gesprochen. Dann haben wir auch große Steine gewälzt und sind auch traurig gewesen. Dann haben wir wieder bei lieblichen Gedanken verweilt und uns gemeinsam daran erfreut. Und unsere Liebespflanze zueinander ist wieder ein Stück gewachsen, durch liebevolle Worte und ebensolches Zuhören. Eine ganz besondere Blume ist dabei entstanden. Es ist eigentlich eine Wortblume und sie wuchs aus dem Herzen meiner Mutti.

Diese Wortblume hatte folgenden Inhalt:

„Du hast meine Falten geglättet“.

Und diese Blume hat sie mir geschenkt. Große Freudentränen kullern jetzt noch über mein Gesicht ob der wärmenden Liebe, die sie in mir erzeugt.

Liebste Mutti – ich möchte dir auch so eine Wortblume schenken, doch merke ich, dass dieses Gewächs in mir noch fehlt. Also werde ich deine Blume nehmen und sie fest in mir verpflanzen, damit solche Blumen mehr werden und vielleicht auch mal aus mir herauswachsen. Danke für deine Liebe, mein Mütterlein!

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Ich habe diesen Beitrag schon einmal auf einem früheren Blog von mir veröffentlicht. Ich erinnere mich immer wieder mit tiefer Wärme an die Worte meiner Mutter. Nächstes Jahr, im Mai, werde ich wieder zu ihr reisen und wir werden wieder intensive Gespräche haben, ich freue mich schon jetzt sehr darauf.

Ihr Lieben, ich wünsche Euch auch solche Wortblumengeschenke, oder vielleicht verschenkt ihr welche.
Alles Liebe von Eurer
Maria

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COUCH-GESCHICHTEN 19.22 – Das erste Mal

COUCH-GESCHICHTEN 21.22 – Der Irrweg

COUCH-GESCHICHTEN, MUSIK

COUCH-GESCHICHTEN 19.22 – Das erste Mal

Still ist es. Keiner gibt einen Laut von sich, in Erwartung dessen was kommt. Ich bin zum ersten Mal hier in diesem Haus. Man hört ein paar quietschende Töne, dann wieder kein Laut. Stille.

Da beginnt das Orchester zu spielen. Die ersten Töne schweben um mich herum. Meine Ohren trinken, als ob sie noch nie Wasser gehört hätten. Mein Mund hört, indem er sich etwas öffnet. Meine Augen fühlen, sie schließen sich langsam. Ein Schauer von Wohlgefühl rinnt an mir herunter, wie warmer Regen und da ist ein Kribbeln im Rückgrat. Mein Herz atmet fast nicht. Es will den wundersamen Klang nicht verlieren.

VERDI’s Musik geht unter die Haut, besonders NABUCCO…

Während die Musik ihren Lauf nimmt, beschließen meine Augen, sich mit Wasser zu füllen, getrieben von einem im Hals beklemmenden Gefühl und einem zunehmend sich bewegenden Herzen. … Da ist er schon vorbei, der erste Teil.

Sprachlos, blicklos, gehörlos, gefühllos schlage ich meine Hände wiederholt zusammen. Ich kann gar nicht aufhören vor Begeisterung. Ich beruhige mich wieder und lasse meine Hände sinken.

Und … da ist sie wieder, die Stille vor dem Tonwasserfall. Stille.

Da beginnt das Orchester zu spielen. Die ersten Töne schweben um mich herum. Meine Ohren trinken, als ob sie noch nie Wasser gehört hätten. Mein Mund hört, indem er…

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COUCH-GESCHICHTEN 18.22 – Das Unwetter

COUCH-GESCHICHTEN 20.22 – Das Wortblumengeschenk

COUCH-GESCHICHTEN

COUCH-GESCHICHTEN 18.22 – Das Unwetter

Ein leichter Hauch umweht meine Nase. Die Vögel zwitschern in den Sträuchern. Ein buntes Treiben ist das. Blumenduft liegt in der Luft. Sachte wiegen sie sich in der leichten Brise, die mit einem Schmetterling spielt.

Ich ruhe auf einer Liege auf meinem Balkon. Tee habe ich gerade getrunken, er wärmt mich von innen. Es ist auch im Außen warm, sehr warm, sogar schwül.

Am Horizont türmen sich blaugraue Wolken auf. Sie sind sehr weit entfernt.

Ich schlafe ein.

Jäh erwache ich. Ein starker Wind fährt durch mein Haar. Längst sind alle Vögel ruhig. Schlaftrunken sehe ich die herangekommenen Wolkenmassen. Die Bäume stemmen sich gegen die Böen, die immer stärker werden.

Schnell erhebe ich mich, falte meine Liege zusammen, spanne den Sonnenschirm ab und verschwinde in meiner Wohnung.

Der erste Blitz entlädt sich über dem Nachbarhaus. Noch etwas entfernt grollt der Donner. Aber der Wind nimmt nun Fahrt auf. Er wird zu einem richtigen Sturm. Schon wirbeln Staub und Blätter durch die Luft. Die Nachbarn bringen auf ihren Balkonen noch schnell alle Gewächse in Sicherheit.

Und da blitzt es schon wieder, immer mehr, bis es blitzt und kracht fast gleichzeitig. Das Gewitter ist da, genau über mir. Es fängt an zu regnen, erst nieselt es nur, dann kommt es einem Wasserfall gleich vom Himmel herunter. Die Bäume verbiegen sich, um nicht entwurzelt zu werden. Der Himmel wird pausenlos von Blitzen erleuchtet, begleitet von ohrenbetäubendem Donner.

Da läuft noch ein Mensch auf der Straße, ungeschützt dem Treiben ausgesetzt.

Plötzlich höre ich den Regen immer lauter. Ungläubig schaue ich aus dem Fenster. Ja, wirklich, es beginnt zu hageln. Immer lauter und lauter wird es draußen. Immer größer werden die Hagelkörner. Schon ist die Straße ganz weiß und sieht nach einer Weile aus wie schneebedeckt.

Ich denke an Vaters Garten, der jetzt sehr leidet. Ich denke an Vaters liebevoll gepflanzte Köstlichkeiten wie Erdbeeren, Salate, Tomaten und Gurken. Sie alle werden zerhackt von den Eisbällen. Traurig blickt Vater aus seinem Fenster auf die Zerstörungswut des Unwetters und wie es die tagelange Arbeit in einem kurzen Augenblick zunichte macht.

Wenigstens hat der das Auto in die Garage gefahren, denkt er.

Genauso wie das Gewitter kam, verschwindet es auch wieder. Der Hagel hört auf, der Regen hört auf. Die Wolken lichten sich wieder.

Eine unheimliche Ruhe nach dem Sturm breitet sich aus, als ob Wut und Zorn verraucht sind…

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COUCH-GESCHICHTEN 17.22 – Das Spiegelbild

COUCH-GESCHICHTEN 19.22 – Das erste Mal

COUCH-GESCHICHTEN

COUCH-GESCHICHTEN 17.22 – Das Spiegelbild

Sie sieht sich im Spiegel, nackt. Missbilligend betrachtet sie ihre Kurven. Sie hasst ihren jungen Körper. Er ist so rund, das gefällt ihr nicht.
Abnehmen muss sie, denkt sie.
Siebenundvierzig Kilo zeigt die Waage. Das ist ihr zu viel.

Die bewundernden Blicke der Männer und auch Frauen genießt sie.
Grotesk…

Sie ist magersüchtig.

Therapien folgen.

Jahre vergehen…

Sie sieht sich im Spiegel, nackt. Missbilligend betrachtet sie ihre Kurven. Sie hasst ihren alten Körper. Sie hat zugenommen, sehr viel zugenommen, das gefällt ihr nicht.
Abnehmen muss sie, denkt sie.
Achtundneunzig zeigt die Waage. Das ist ihr zu viel.

Die missbilligenden Blicke der Männer und Frauen spürt sie.
Oft nimmt man sie nicht ernst.
Was will sie schon, die Dicke…

Sie ist adipös.

Therapien folgen.

Die Zeit wird knapp…

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Foto: pixabay

COUCH-GESCHICHTEN 16.22 – Zeichen und Bilder

COUCH-GESCHICHTEN 18.22 – Das Unwetter

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COUCH-GESCHICHTEN 16.22 – Zeichen und Bilder

Ich liebe den Moment, in dem mich ein leeres, weißes Blatt Papier anblafft. Es spricht zu mir und erwartet von mir eine Entscheidung. Es will wissen, ob es als Untergrund für verschiedene Farben dienen soll, oder ob es sich mit dem Kontrast Schwarz vereinen soll.

Heute entscheide ich mich für Schwarz auf Weiß. Dazu nehme ich meine Maschine, die ein Fenster hat, auf meine Knie. Aus diesem Fenster leuchtet mich ein großes weißes Feld an. Darunter finden sich Knöpfe, die mit Zeichen versehen sind. Wenn meine Finger diese Knöpfe drücken, erzeugen sie auf dem weißen Feld Buchstabenreihen.

Aber vorerst einmal genieße ich den Anblick der weißen Seite. Es gibt Menschen, die haben Angst davor, auf eine derartig leere Wand zu sehen. Mich inspiriert sie. Ich sehe davor Worte und Wortteile, wie sie sich hin und her wiegen und schwer entscheiden können, wohin und in welcher Reihenfolge sie sich darauf setzen sollen.

Bilder entstehen in meinem Kopf, die sich auf einem kleinen Funken Idee niederlassen und sie fragen mich, ob sie sich anhängen dürfen. Manchen erlaube ich es, manchen nicht. Zahlreiche Farben zieren diese Bilder. In meinem Kopf forme ich sie um in schwarze kleine Zeichen, die aneinandergereiht Wörter ergeben.

Diese Umwandlung bekommt eine Eigendynamik, sodass ich eingreifen muss. Ich sortiere, vergleiche, benenne, verwerfe und halte fest, bis eine Buchstabenreihe ein wundersames Bild beschreibt.

Meine Finger drücken die entsprechenden Knöpfe, eine Geschichte ist entstanden…

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Foto: pixabay

COUCH-GESCHICHTEN 15.22 – Das Gänseblümchen

COUCH-GESCHICHTEN 17.22 – Das Spiegelbild

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COUCH-GESCHICHTEN 15.22 – Das Gänseblümchen

Eine feine Pflanze ist das Gänseblümchen. Kaum den Wurzeln entkommen, wächst es zart den Weg nach oben. Ich spreche von einem besonderen Blümchen, das es nicht leicht hat, muss es doch eine dicke Betondecke bezwingen.

Zelle um Zelle, die es entwickelt, nimmt es sich Raum in dem Dunkel, das sie umschließt. Erst ist es einfach. Die Erde, die es umgibt, unterstützt es in ihrem Wachstum. Rundherum gibt es Wasser und Nährstoffe, an denen es sich labt, um Stärke zu entwickeln.

Doch dann stößt es an ein dichtes, undurchdringliches Grau. Der Weg nach oben scheint zu Ende zu sein. Jedoch nicht für das Blümchen. Es will aus dem Dunkel zum Licht. Es sucht hin und her nach einem Spalt, indem es seine Kraft ausdehnen kann. Und es dauert nicht lange, da entdeckt es ein winziges Loch in dem Grau.

Ganz feine Fäden spinnt es in diesen Spalt, immer mehr bläht es sich auf, um dann seine Zellen zu teilen und weiter durch die kleine Ritze sich den Weg nach oben zu bahnen. Und es gelingt. Es klettert unaufhörlich weiter. Schon blitzt der erste Lichtstrahl durch die winzige Öffnung. Jetzt ist es nicht mehr weit. Ein paar Zellen entwickelt das Gänseblümchen noch und dann ist es im Licht.

Oben regnet es aber dicke schwarze Tropfen. Doch dankbar für das Nass, labt es sich an der lauwarmen Flüssigkeit. Es nimmt das Schwarz auf. Ein Grauschwarz setzt sich in seinem Innersten fest.

Nun möchte es, wie es die Natur festgelegt hat, einen Kopf mit einem weißen Kranz entwickeln. Eine Miniknolle ist schon vorhanden. Sonne braucht es nun, um dieses Pünktchen ausdehnen zu können. Nicht lange muss es warten, da durchbricht Licht die dunkle Wolkendecke. Es hat aufgehört zu regnen. Der Boden ist voll von braunschwarzem Schlamm. Durch diese widrigen Bedingungen wird es nie ein reines Weiß ihrer Blättchen entwickeln können. Auch verliert es einige Blätter beim Entfalten ihres Blütenblätterreigens.

Durch die Kraftanstrengung hat sich auch ein langer ineinander verschlungener Stängel entwickelt. Schaden hat das Pflänzchen genommen. Dieser Makel begleitet es sein ganzes Leben. Trotz dieser Beeinträchtigung streckt es das Köpfchen stolz in die Höhe.

Das Gänseblümchen hatte es mit Geduld und Ausdauer ins Leben geschafft. Dass man das im Außen sieht, macht es stolz…

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COUCH-GESCHICHTEN 14.22 – Tanz in den Tod

COUCH-GESCHICHTEN 16.22 – Zeichen und Bilder

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COUCH-GESCHICHTEN 14.22 – Tanz in den Tod

Gerade steht sie, hoch aufgerichtet auf ihren Zehenspitzen, mit zu einem Kreis erhobenen Händen, grazil, einer Blume gleich, die ihr Gesicht der Sonne zuwendet. Sie bewegt den Kreis sanft über ihrem Kopf hin und her, als ob Wind sie wiegen würde. Das weiße Kleid aus feinem Stoff folgt ihren Bewegungen.

Da, ein schwarzer Schatten von links. Geschwind bewegt er sich hin und her und kommt ihr näher. Doch dann, geblendet von ihrer Schönheit und Anmut, weicht er zurück. Schwebend über dem schwarzen Boden, kaum sichtbar, nur durch einen Hauch von Wind wahrnehmbar, nähert er sich ihr wieder leise.

Sie schmiegt ihren Körper an unsichtbare Pflanzen, dreht sich im Kreis, um sich dann wieder auf Zehenspitzen dem Licht entgegenzustrecken.

Unwirklich ist dieses Bild für den schwarzen Schatten. Er zögert noch, doch dann stupst er sie an. Kurz kommt sie aus dem Gleichgewicht. Erschrocken wegen der Berührung durch den Finsterling, schwebt sie zur Seite. Und wieder stößt er sie an, und wieder, von allen Seiten wirbelt er heran. Er lässt ihr keinen Platz, an dem sie sich hätte aufrichten können.

Langsam wird sie schwächer. Ihre Hände werden schwer und sinken unaufhörlich dem schwarzen Boden entgegen, bis sie in sich zusammenfällt.

Eingerollt liegt sie da, regungslos. Kein Laut ist zu hören.

Ein schwarzes Tuch senkt sich langsam über sie.
Der Schatten hat sie gebrochen…

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Foto: pixabay

COUCH-GESCHICHTEN 13.22 – Die Dame

COUCH-GESCHICHTEN 15.22 – Das Gänseblümchen