MOMENTE

MOMENT 13.21 – Keine Versöhnung

Sie taucht ein in die Musik und lässt von ihr ihre Seele berühren. Die Töne sind so laut, dass es in ihrem Gehirn vibriert. Jede Zelle verschmilzt mit den Schwingungen…

Morgen, denkt sie, morgen wird sie sich mit ihrem Ich versöhnen…
Aber dieses Morgen gibt es nicht…

MOMENTE, MUSIK

MOMENT 12.21 – Erinnerung / MUSIK 2.21 – Pink Floyd

Ich höre grade Musik, die mich an längst Vergangenes erinnert:

Und dabei wird mir klar, dass es eine Zeit gab, in der ich sehr intensiv lebte. Es war die Zeit des Neuentdeckens, eine Zeit des Lernens. Und ich hatte eine unbändige Vorfreude auf das Entdecken neuer Dinge. Irgendwie vermisse ich diese Zeit.

Es gibt so vieles, was ich bereits kennengelernt habe. Mein Geist ist nicht mehr unbedarft, im Gegenteil, ich fühle mich behaftet mit Dingen, die ich besser nicht gesehen oder erfahren hätte. Es gibt nicht mehr viel zu entdecken, für mich. Oder besser, es gibt nicht wirklich viel, was mein Interesse noch weckt.

Manchmal sind mir meine Erinnerungen eine Last, vor allem wenn es Erlebnisse sind, an die ich mich nicht gerne erinnere. Dinge, die verloren gingen. Menschen, in denen ich mich maßlos getäuscht habe, die mich auch täuschten.

Aber, dieses Vielwissen um Schmerz, Enttäuschung und Leid macht mich auch stark. Und trotz allem schaue ich auf ein bewegtes und interessantes Leben zurück. Ich habe hinter so manche Ecken geschaut, die vielen Menschen verborgen bleiben.

Und vielleicht gibt es ja doch noch etwas zu entdecken…

MOMENT 11.21 – Dankbar

MUSIK 1.21 – Sharon Kovacs

MOMENTE

MOMENT 11.21 – Dankbar

Hallo Ihr Lieben!

Es ist Nacht und es ist still. Nichts, aber auch gar nichts ist zu hören, außer mein Klappern auf der Tastatur und das leise Surren des Laptops.

Ich habe gestern Nachmittag geschlafen, da wundert es mich nicht, dass ich nächtens keinen Schlaf finde. Aber das ist gut so. Ich bin am Boden. Weder segle ich in luftigen Höhen noch bin ich im Tal tiefen Schattens, einfach ausgeglichen. Das sind seltene Momente im Leben mit einer bipolaren Störung.

Darum möchte ich diesen Moment würdigen, und bin dankbar dafür. Es zeigt mir, dass auf das Dunkel immer wieder Licht folgt. Auf Regen folgt Sonnenschein. Das möchte ich mitnehmen für Zeiten in der Finsternis, die Zuversicht, dass es immer wieder ein Auf nach einem Ab gibt.

Außer dem bin ich sehr dankbar für einen Menschen, den ich im letzten halben Jahr ein wenig näher kennenlernen durfte und der mein Leben sehr bereichert.

—–

Schlaft schön und verbringt einen wunderschönen Morgen Ihr Lieben!
Das wünscht Euch Eure
Maria

MOMENT 10.21 – Keine Worte

MOMENT 12.21 – Erinnerung

MOMENTE

MOMENT 9.21 – Ausstieg

Still ist es. Von ferne her höre ich ein Auto, aber nur so leise, dass ich es gerade noch wahrnehme. Nur der Laptop surrt ein wenig, kaum hörbar. Es ist Nacht und ich kann nicht schlafen. Ich surfe wieder einmal auf einer Welle. Endlich stehe ich wieder auf dem Brett und bin nicht mehr unter Wasser.

Eigentlich sollte ich schlafen. Leider zeigen die genommenen Medikamente keine Wirkung, trotz der hohen Dosis, die ich nahm.

Nun setze ich meine Kopfhörer auf und höre Musik, laut, so wie ich es mag.

Ich habe viel Zeit zum Nachdenken. Nachdenken über mich, über mein Leben, über meine Mitmenschen.

Am meisten beschäftigt mich zur Zeit mein Ausstieg aus der Zeugen Jehovas Gemeinschaft. Ich habe ihn vor einiger Zeit vollzogen, meinen Ausstieg, innerlich wie äußerlich. Lange Zeit war ich in der inneren Emigration. Nun habe ich den Schritt nach außen gewagt.

So ein Schritt hat umfassende Folgen. Man wird von der gesamten Zeugen Jehovas Gemeinde geächtet. Dabei ist es egal ob jemand aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wird oder ob jemand von sich aus die Gemeinschaft verlässt. Man verliert praktisch von einem Tag auf den anderen sämtliche gemeinschaftlichen Kontakte einschließlich die der Familie.

Aber nun habe ich meiner Familie offenbart, dass ich keine gläubige Zeugin Jehovas mehr bin und aus der Gemeinschaft aussteige.

Ich glaube schon lange an keinen Gott im Sinne der Zeugen Jehovas mehr. Zu viel habe ich gelesen und mich weiter gebildet. Ich sehe die vielen Religionsgemeinschaften als verschiedene Planeten. Und mich sehe ich auch auf einem Planeten, dem Planeten der Atheisten. Ich habe die Möglichkeit, andere Planeten zu bereisen und nehme mir von den jeweiligen Planeten das mit, was ich brauchen kann. So ein schlichtes Bild habe ich mir zurecht gelegt.

Von diesem Bild habe ich auch meinem Vater und meinem Bruder erzählt, um ihnen meine Entscheidung leichter verständlich zu machen.

Mein Bruder hat sich im Wesentlichen von mir zurückgezogen und mein Vater hat den Part des Mich-Bekehrens übernommen.

Das Sich-Zurückziehen und das Ächten von einem Menschen der die Gemeinschaft verlassen hat beschreiben die Zeugen Jehovas als „liebevolle Maßnahme“ den Sünder wieder zur Rückkehr in die Gemeinschaft zu bewegen. Wie grotesk.

Ich bin aufgewachsen in dieser Gemeinschaft und kenne alle Praktiken, wie man durch sanften Druck auf konform gehen mit allen Gedankengängen, die vorgeschrieben sind, hin gelenkt und geleitet wird. Auch die Zeitschriftenartikel sind entsprechend aufgebaut. Der Aufbau ist immer derselbe: Fakt Eins, Fakt Zwei, Fakt X und dann: „Wir schließen daraus…!“ Das ist dann die herrschende Meinung unter den Gläubigen, die Muss ist. Diese Artikel werden bis aufs Äußerste durchgekaut und durchbesprochen, bis jeder die Gedankengänge auch im Sinne der leitenden Körperschaft (das leitende Gremium in Amerika) verstanden hat.

Ich bin sehr froh, dass ich eine Schwester habe, die dieser Gemeinschaft schon vor Jahren den Rücken gekehrt hat. Sie ist ein wunderbarer Mensch. Mit ihr kann man sich großartig unterhalten. Sie hat die Machenschaften dieser „Sekte“ gut durchschaut und ist mir ein einfühlsamer Gesprächspartner.

Es gibt faktisch keine Religionsfreiheit, wenn man bei den Zeugen Jehovas aufwächst. Man wird darauf gedrillt, in der Gemeinschaft zu bleiben, sich taufen zu lassen und ein treues Mitglied zu werden. Andernfalls droht Ächtung.


Habt eine geruhsame Restnacht ihr Lieben!
Lieben Gruß von einer nachdenklichen
Maria

MOMENT 8.21 – Alles durcheinander

MOMENT 10.21 – Keine Worte

MOMENTE

MOMENT 8.21 – Alles durcheinander

Ihr Schlaf- und Wachrhythmus ist völlig durcheinander. So viel hat sie sich vorgenommen, jedoch begehrt ihre bipolare Störung wieder einmal richtig auf. Wieder einmal reduziert auf ihre Krankheit, versucht sie das Beste daraus zu machen. Aber trotzdem ist sie genervt. Nichts geht ihr von der Hand, alles ist eine Last, selbst das Aufstehen am Morgen.

MOMENT 7.21 – Bipolar

MOMENT 9.21 – Ausstieg

MOMENTE

MOMENT 7.21 – Bipolar

Die Vögel zwitschern sie schon aus dem Schlaf. Es ist noch dunkel draußen. Jetzt eine Tasse heißen Kaffee trinken, denkt sie und schlüpft aus dem Bett. Guter Dinge geht sie in die Küche und stellt den Wasserkocher an.

Heute wird wieder ein guter Tag, denkt sie.

Das Gestern ist Vergangenheit. So grau die letzten Tage waren, so bunt scheint nun der vor ihr liegende Tag.

Bipolar, denkt sie, an Abwechslung fehlt es nicht…

MOMENT 6.21 – In der Tiefe

MOMENT 8.21 – Alles durcheinander

MOMENTE

MOMENT 5.21 – Ein Pflänzchen

Heute geht ein wunderbarer Tag zur Neige. Abgesehen davon, dass die Sonne schien und der Frühling wieder anklopfte, hat sie einiges geschafft. Erwacht ist sie schon früh. Sie genoss aber dann noch ein Weilchen länger die Wohligkeit ihres Bettes. Von Ferne hörte sie durch das gekippte Fenster die Vögel zwitschern. Und ein Sonnenstrahl lugte unter dem Fensterrollo hervor.

Da hielt es sie doch nicht länger, sie musste raus aus dem Bett. Zum Frühstück hatte sie Milchkaffee und Butterbrot. Das liebt sie. Die Aussicht auf die nächsten verpflichtungsfreien Tage erfüllten sie mit Frohsinn.

Sie verbrachte den Vormittag mit Altgriechisch und einem liebevollen Telefonat mit ihrer Schwester. Gespräche, wie sie sie mit ihrer Schwester führt, mag sie.

Sie erzählte ihr von der Psychotherapie vom Tag zuvor. Ein Pflänzchen hatte sie entdeckt, das es zu hegen und zu pflegen gilt. Um es zu schützen hat sie eine Glasglocke darüber gestülpt. Dazu riet die Psychologin. Es ist die Pflanze ihres eigenen Ichs.

Sie hatte sich von fremden Ideologien freigemacht und da wuchs auf einmal ein Pflänzchen aus dem Kern, der schon lange in ihr schlummerte. Denken zu dürfen, was sie selbst oder ihr eigenes Ich für richtig hält, ist ein ganz neues Gefühl. Nicht mehr konform gehen zu müssen mit vorgegebenen Denkweisen empfindet sie als Befreiungsschlag.

Sie nimmt sich vor, diese neue Welt, die sich ihr eröffnet wie ein Forscher vorsichtig akribisch und systematisch zu erkunden…

 

MOMENT 4.21 – Die Macht der Erinnerung

MOMENT 6.21 – In der Tiefe

MOMENTE

MOMENT 4.21 – Die Macht der Erinnerung

Es tobt in ihren Ohren. Gerade eben hat sie ein Buch begonnen zu lesen. Das Buch enthält eine Geschichte, die der ihren ähnlich ist. Und nun ist sie aufgewühlt, durcheinander, zornig und traurig zugleich. Von der ersten Zeile an hat es sie an längst Vergangenes erinnert. Sie atmet tief durch, doch das Zittern des Körpers will nicht weichen. Eine Schwäche durchfährt sie vom Scheitel bis zur Sohle. Sie kann nicht weiter lesen und lässt das Buch sinken. Zu mächtig sind die Erinnerungen. Tränen bahnen sich den Weg über ihre Wangen.

Die Uhr tickt.

Minuten vergehen.

Nur langsam kann sie sich wieder beruhigen.

Ihre Freundin, die Stille, um sie herum tut ihr gut und holt sie zurück in das Jetzt…

 

MOMENT 3.21 – verlorene Zeit

MOMENT 5.21 – Ein Pflänzchen