COUCH-GESCHICHTEN, SEKTENAUSSTIEG

COUCH-GESCHICHTEN 10.22 – Abstand

Sie liegt auf dem Sofa und entspannt sich. Sie hat viel geschafft. Die Therapeutin freute sich mit ihr, dass ihr das alles gelungen ist. Sie hatte „nein“ gesagt, und das zu ihren nächsten Angehörigen.

Sie wusste lange nicht, wie sie ihnen das, dass sie einen Abstand braucht, beibringen könnte. Sie wollte die Eltern nicht verletzen. Aber sie braucht Zeit für sich, Zeit um alles richtig einordnen zu können, Zeit um zu sich zu kommen, Zeit um die alten Geschichten zu verarbeiten. Und sie schrieb es ihnen.

Angst hat sie gehabt, dass sie mit Vorwürfen konfrontiert werden würde. Aber nichts davon kam. Bereitwillig schrieben beide: „Du hast alle Zeit der Welt.“

Ja, sie hat alle Zeit der Welt. Und jetzt wo der Abstand geschaffen ist, fühlt sie sich unsäglich frei. Frei, sich entwickeln zu können, frei um ihre Persönlichkeit entfalten zu können, frei von negativen Einflüssen.

Sehr beruhigend empfindet sie diese Erkenntnis und gleitet in einen traumlosen Schlaf…

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COUCH-GESCHICHTEN 9.22 – Das Gewitter

COUCH-GESCHICHTEN 11.22 – Jugendliebe

MOMENTE, SEKTENAUSSTIEG

MOMENT 20.21 – Gedankenfreiheit

Gedankenfreiheit.
Die Gedankenfreiheit ist die Freiheit des Denkens, insbesondere in weltanschaulichen und politischen Dingen. Sie bildet die ideelle Grundlage für weitere Freiheiten wie die Meinungsfreiheit und die Religionsfreiheit…
…so wird ua Gedankenfreiheit definiert.

Was ist Gedankenfreiheit für mich?
Ich darf! Ich darf denken was ICH will. Gedanken entziehen sich normalerweise der Kontrolle durch Mitmenschen.
Diesen Umstand entdeckte ich erst vor einigen Jahren. Wie ich schon schrieb, war ich vorher Mitglied der Sekte der Zeugen Jehovas. Ich schreibe bewusst Sekte, da in diesem Verein sektenhafte Zustände herrschen. Man kontrolliert alles, bis hin zu den Gedanken. Es wird einem eingebläut, was man zu denken hat. Dazu bedient man sich einer permanenten Wiederholung von „meinungsgebildeten“ oder „meinungsgebenden“ Zeitschriften. Satz für Satz, Absatz für Absatz wird das von dem leitenden Gremium Geschriebene durchgekaut. Erst muss man sich zu Hause auf bestimmte Artikel vorbereiten, am besten im Familienkreis. Dann wird der Stoff in der Gemeinschaft durchgearbeitet. Faktum ist, dass man in diesen Studienzeiten in der Gemeinschaft nicht offiziell Fragen stellen darf. Es werden von der Bühne aus die vorgegebenen Fragen zu jedem Absatz gestellt und man soll dann tunlichst das Antworten, was im Absatz steht. Am besten untermauert durch einen Bibeltext. So wird akribisch auf die Gedanken Woche für Woche Einfluss genommen. Und nicht nur das. Auch untereinander sollen diese Gedanken ausgetauscht werden.

Wie geht es mir heute damit?
Es war schwer eine andere Art oder eine eigene Meinungsbildung und Gedankenformung zu lernen. Eine große Hilfe dabei war mir meine Zeit in der Abendschule. Jedoch kehrte ich nach dieser Schule, nach einer Sinnkrise, doch wieder zu dieser Sekte zurück, da ich zu meinen Wurzeln zurückkehren wollte. Das selbst Denken fiel mir so schwer, dass ich keinen Halt mehr fand. Ich merkte dann aber schnell, dass mir dieser Schuh zu klein geworden war. Ich hatte kritisches Denken eigentlich gelernt.
Heute habe ich mich von den Fesseln dieser Gemeinschaft endgültig gelöst und ich schätze Gedankenfreiheit enorm…


Hallo Ihr Lieben, ich habe mir vorgenommen auf die Zustände bei den Zeugen Jehovas aufmerksam zu machen, da diese Sekte meist als harmlos dargestellt wird, ist sie aber nicht. Das Wirken der leitenden Gremien und Mitglieder ist sehr subtil und einschleichend, und wenn man nicht wirklich gut acht gibt, wird man sukzessive gefangen.
In diesem Sinne wünsche ich euch Freiheit eurer Gedanken!
Alles Liebe von
Maria

MOMENT 19.21 – Schlaf

MOMENTE, SEKTENAUSSTIEG

MOMENT 9.21 – Ausstieg

Still ist es. Von ferne her höre ich ein Auto, aber nur so leise, dass ich es gerade noch wahrnehme. Nur der Laptop surrt ein wenig, kaum hörbar. Es ist Nacht und ich kann nicht schlafen. Ich surfe wieder einmal auf einer Welle. Endlich stehe ich wieder auf dem Brett und bin nicht mehr unter Wasser.

Eigentlich sollte ich schlafen. Leider zeigen die genommenen Medikamente keine Wirkung, trotz der hohen Dosis, die ich nahm.

Nun setze ich meine Kopfhörer auf und höre Musik, laut, so wie ich es mag.

Ich habe viel Zeit zum Nachdenken. Nachdenken über mich, über mein Leben, über meine Mitmenschen.

Am meisten beschäftigt mich zur Zeit mein Ausstieg aus der Zeugen Jehovas Gemeinschaft. Ich habe ihn vor einiger Zeit vollzogen, meinen Ausstieg, innerlich wie äußerlich. Lange Zeit war ich in der inneren Emigration. Nun habe ich den Schritt nach außen gewagt.

So ein Schritt hat umfassende Folgen. Man wird von der gesamten Zeugen Jehovas Gemeinde geächtet. Dabei ist es egal ob jemand aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wird oder ob jemand von sich aus die Gemeinschaft verlässt. Man verliert praktisch von einem Tag auf den anderen sämtliche gemeinschaftlichen Kontakte einschließlich die der Familie.

Aber nun habe ich meiner Familie offenbart, dass ich keine gläubige Zeugin Jehovas mehr bin und aus der Gemeinschaft aussteige.

Ich glaube schon lange an keinen Gott im Sinne der Zeugen Jehovas mehr. Zu viel habe ich gelesen und mich weiter gebildet. Ich sehe die vielen Religionsgemeinschaften als verschiedene Planeten. Und mich sehe ich auch auf einem Planeten, dem Planeten der Atheisten. Ich habe die Möglichkeit, andere Planeten zu bereisen und nehme mir von den jeweiligen Planeten das mit, was ich brauchen kann. So ein schlichtes Bild habe ich mir zurecht gelegt.

Von diesem Bild habe ich auch meinem Vater und meinem Bruder erzählt, um ihnen meine Entscheidung leichter verständlich zu machen.

Mein Bruder hat sich im Wesentlichen von mir zurückgezogen und mein Vater hat den Part des Mich-Bekehrens übernommen.

Das Sich-Zurückziehen und das Ächten von einem Menschen der die Gemeinschaft verlassen hat beschreiben die Zeugen Jehovas als „liebevolle Maßnahme“ den Sünder wieder zur Rückkehr in die Gemeinschaft zu bewegen. Wie grotesk.

Ich bin aufgewachsen in dieser Gemeinschaft und kenne alle Praktiken, wie man durch sanften Druck auf konform gehen mit allen Gedankengängen, die vorgeschrieben sind, hin gelenkt und geleitet wird. Auch die Zeitschriftenartikel sind entsprechend aufgebaut. Der Aufbau ist immer derselbe: Fakt Eins, Fakt Zwei, Fakt X und dann: „Wir schließen daraus…!“ Das ist dann die herrschende Meinung unter den Gläubigen, die Muss ist. Diese Artikel werden bis aufs Äußerste durchgekaut und durchbesprochen, bis jeder die Gedankengänge auch im Sinne der leitenden Körperschaft (das leitende Gremium in Amerika) verstanden hat.

Ich bin sehr froh, dass ich eine Schwester habe, die dieser Gemeinschaft schon vor Jahren den Rücken gekehrt hat. Sie ist ein wunderbarer Mensch. Mit ihr kann man sich großartig unterhalten. Sie hat die Machenschaften dieser „Sekte“ gut durchschaut und ist mir ein einfühlsamer Gesprächspartner.

Es gibt faktisch keine Religionsfreiheit, wenn man bei den Zeugen Jehovas aufwächst. Man wird darauf gedrillt, in der Gemeinschaft zu bleiben, sich taufen zu lassen und ein treues Mitglied zu werden. Andernfalls droht Ächtung.


Habt eine geruhsame Restnacht ihr Lieben!
Lieben Gruß von einer nachdenklichen
Maria

MOMENT 8.21 – Alles durcheinander

MOMENT 10.21 – Keine Worte