COUCH-GESCHICHTEN

COUCH-GESCHICHTEN 14.22 – Tanz in den Tod

Gerade steht sie, hoch aufgerichtet auf ihren Zehenspitzen, mit zu einem Kreis erhobenen Händen, grazil, einer Blume gleich, die ihr Gesicht der Sonne zuwendet. Sie bewegt den Kreis sanft über ihrem Kopf hin und her, als ob Wind sie wiegen würde. Das weiße Kleid aus feinem Stoff folgt ihren Bewegungen.

Da, ein schwarzer Schatten von links. Geschwind bewegt er sich hin und her und kommt ihr näher. Doch dann, geblendet von ihrer Schönheit und Anmut, weicht er zurück. Schwebend über dem schwarzen Boden, kaum sichtbar, nur durch einen Hauch von Wind wahrnehmbar, nähert er sich ihr wieder leise.

Sie schmiegt ihren Körper an unsichtbare Pflanzen, dreht sich im Kreis, um sich dann wieder auf Zehenspitzen dem Licht entgegenzustrecken.

Unwirklich ist dieses Bild für den schwarzen Schatten. Er zögert noch, doch dann stupst er sie an. Kurz kommt sie aus dem Gleichgewicht. Erschrocken wegen der Berührung durch den Finsterling, schwebt sie zur Seite. Und wieder stößt er sie an, und wieder, von allen Seiten wirbelt er heran. Er lässt ihr keinen Platz, an dem sie sich hätte aufrichten können.

Langsam wird sie schwächer. Ihre Hände werden schwer und sinken unaufhörlich dem schwarzen Boden entgegen, bis sie in sich zusammenfällt.

Eingerollt liegt sie da, regungslos. Kein Laut ist zu hören.

Ein schwarzes Tuch senkt sich langsam über sie.
Der Schatten hat sie gebrochen…

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Foto: pixabay

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