COUCH-GESCHICHTEN

COUCH-GESCHICHTEN 16.22 – Zeichen und Bilder

Ich liebe den Moment, in dem mich ein leeres, weißes Blatt Papier anblafft. Es spricht zu mir und erwartet von mir eine Entscheidung. Es will wissen, ob es als Untergrund für verschiedene Farben dienen soll, oder ob es sich mit dem Kontrast Schwarz vereinen soll.

Heute entscheide ich mich für Schwarz auf Weiß. Dazu nehme ich meine Maschine, die ein Fenster hat, auf meine Knie. Aus diesem Fenster leuchtet mich ein großes weißes Feld an. Darunter finden sich Knöpfe, die mit Zeichen versehen sind. Wenn meine Finger diese Knöpfe drücken, erzeugen sie auf dem weißen Feld Buchstabenreihen.

Aber vorerst einmal genieße ich den Anblick der weißen Seite. Es gibt Menschen, die haben Angst davor, auf eine derartig leere Wand zu sehen. Mich inspiriert sie. Ich sehe davor Worte und Wortteile, wie sie sich hin und her wiegen und schwer entscheiden können, wohin und in welcher Reihenfolge sie sich darauf setzen sollen.

Bilder entstehen in meinem Kopf, die sich auf einem kleinen Funken Idee niederlassen und sie fragen mich, ob sie sich anhängen dürfen. Manchen erlaube ich es, manchen nicht. Zahlreiche Farben zieren diese Bilder. In meinem Kopf forme ich sie um in schwarze kleine Zeichen, die aneinandergereiht Wörter ergeben.

Diese Umwandlung bekommt eine Eigendynamik, sodass ich eingreifen muss. Ich sortiere, vergleiche, benenne, verwerfe und halte fest, bis eine Buchstabenreihe ein wundersames Bild beschreibt.

Meine Finger drücken die entsprechenden Knöpfe, eine Geschichte ist entstanden…

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Foto: pixabay

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