COUCH-GESCHICHTEN

COUCH-GESCHICHTEN 9.22 – Das Gewitter

Sachte streicht er ihr über den Arm, wiegt ihre Haarspitzen hin und her. Sie sitzt im Gras und lässt ihn gewähren, den Wind, der freundlich lau über das Gras weht, das sich gleichförmig bewegt und sich fröhlich in den Himmel streckt.

Am Horizont machen sich tiefgraue Wolken auf den Weg zu ihrer Wiese. Schon spürt sie, fast unbemerkbar, den stärker werdenden Wind in ihrem Gesicht. Eigentlich sollte sie jetzt zurückkehren und nicht mehr auf der Almwiese bleiben. Doch die Idylle hält sie fest.

Es ist ruhig geworden im angrenzenden Wald. Die Luft flirrt von der stehenden Hitze. Sie hört keinen Vogel piepen. Nur den Wind hört sie durch die Blätter rauschen. Regungslos sitzt sie da. Lange schon hat sie sich nicht mehr so entspannt gefühlt wie jetzt.

Doch nun nimmt der Wind Fahrt auf. Die grauen Wolken nähern sich unaufhaltsam der Wiese. Sie öffnet die Augen und sieht die Wolken. Erschrocken springt sie auf, packt ihre Sachen, und macht sich auf den Weg zur nächsten Hütte.

Leicht fängt es an zu nieseln. Die Wolken sind nun auf dem nahen Bergrücken und als sie am Gipfel sind, fallen sie in einem enormen Tempo auf der anderen Seite wieder runter und sind plötzlich da, bei ihr. Der Regen nimmt zu und ein nahes Donnergrollen lässt sie ängstlich werden. Bis zur nächsten Hütte ist es noch weit. Es regnet mit einem Mal in Strömen, und da ist das Gewitter auch schon da. Es blitzt und kracht in kleinen Abständen.

Schon durchnässt beginnt sie zu laufen. Sie rennt was das Zeug hält. Große Angst macht sich breit. Neben ihr, über ihr und hinter ihr fahren Blitze in die Erde. Ohrenbetäubendes Krachen nimmt ihr den Atem. Alle Vorsichtsmaßnahmen, wie man sich verhalten soll bei Gewitter, hat sie vergessen.

Da sieht sie in der Ferne ein kleines Licht flackern. Das muss die Hütte sein, denkt sie und läuft noch schneller. Sie ist schon völlig außer Atem und die Kräfte verlassen sie langsam. Sie muss ihr Tempo verringern. Aber die Hütte ist schon nah. Keuchend erreicht sie den rettenden Unterstand vor der Hütte und drückt sich an die Hauswand. Endlich Schutz. Es öffnet sich die Hüttentür und der Wirt lässt sie hinein. Triefend nass bis auf die Haut setzt sie sich auf einen Stuhl und bibbernd beginnt sie zu weinen. Der Schreck sitzt ihr tief in den Gliedern.

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COUCH-GESCHICHTEN 8.22 – Die Farbe Weiß II

COUCH-GESCHICHTEN 10.22 – Abstand

COUCH-GESCHICHTEN

COUCH-GESCHICHTEN 6.22 – Der Garten

Vogelgezwitscher dringt an ihr Ohr. Sie sitzt auf einer Bank aus weiß getünchtem Eisen. Ein Gitter hält sie über dem Boden. Verschnörkelt geschmiedet schmiegt sich die Lehne an ihren Rücken. Eine hoch aufragende weiße Lampe, in der Erde verankert, neben der einsamen Bank, erleuchtet diese nächtens mit einem sanften Trichterstrahl.

Aber jetzt wärmt die Sonne mit ihren warmen gefühlvollen Händen ihren Körper. Sie schließt die Augen und wendet das Gesicht zur Sonne. Stille. Nur die Vögel trällern ihre Lieder und eine Hummel brummt von einer Blume zur nächsten.

Als sie sich etwas bewegt, knirscht der Sand unter ihren weißen Schuhen. Die Bank steht an der Spitze eines Gartens mit nur weißen Blütenpflanzen. Hinter ihr ragen Birken mit ihrem weißen Mantel in den Himmel. Ganz sachte hört sie deren Blätter im Wind federn.

Das große weiße Eingangstor am anderen Ende des Gartens ist fest verschlossen und lässt auch keinen Blick in den Garten. Mächtig steht es holzen da und hält jeder Annäherung von außen stand. Den Garten umringt ein dichtes und hohes Zedernband.

In der Mitte des Gartens tummeln sich Vögel im weißen marmornen mit Wasser gefüllten Bad. Sie flattern mit ihren Flügeln ins Wasser, um das köstliche Nass auf ihre zierlichen Körper zu tropfen. Ein Spiel, an dem sie sich nicht satt sehen kann.

Und sonst … überall weiße Blumen. Nelken, Rosen und Callas, alle fein gepflegt von unsichtbarer Hand. Und dazwischen Wege, bestreut mit weißem Kieselsand.

Niemand stört die Idylle und sie kann ihre Seele baumeln lassen…

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COUCH-GESCHICHTEN 5.22 – Der Brief

COUCH-GESCHICHTEN 7.22 – Der Walzer