COUCH-GESCHICHTEN

COUCH-GESCHICHTEN 6.22 – Der Garten

Vogelgezwitscher dringt an ihr Ohr. Sie sitzt auf einer Bank aus weiß getünchtem Eisen. Ein Gitter hält sie über dem Boden. Verschnörkelt geschmiedet schmiegt sich die Lehne an ihren Rücken. Eine hoch aufragende weiße Lampe, in der Erde verankert, neben der einsamen Bank, erleuchtet diese nächtens mit einem sanften Trichterstrahl.

Aber jetzt wärmt die Sonne mit ihren warmen gefühlvollen Händen ihren Körper. Sie schließt die Augen und wendet das Gesicht zur Sonne. Stille. Nur die Vögel trällern ihre Lieder und eine Hummel brummt von einer Blume zur nächsten.

Als sie sich etwas bewegt, knirscht der Sand unter ihren weißen Schuhen. Die Bank steht an der Spitze eines Gartens mit nur weißen Blütenpflanzen. Hinter ihr ragen Birken mit ihrem weißen Mantel in den Himmel. Ganz sachte hört sie deren Blätter im Wind federn.

Das große weiße Eingangstor am anderen Ende des Gartens ist fest verschlossen und lässt auch keinen Blick in den Garten. Mächtig steht es holzen da und hält jeder Annäherung von außen stand. Den Garten umringt ein dichtes und hohes Zedernband.

In der Mitte des Gartens tummeln sich Vögel im weißen marmornen mit Wasser gefüllten Bad. Sie flattern mit ihren Flügeln ins Wasser, um das köstliche Nass auf ihre zierlichen Körper zu tropfen. Ein Spiel, an dem sie sich nicht satt sehen kann.

Und sonst … überall weiße Blumen. Nelken, Rosen und Callas, alle fein gepflegt von unsichtbarer Hand. Und dazwischen Wege, bestreut mit weißem Kieselsand.

Niemand stört die Idylle und sie kann ihre Seele baumeln lassen…

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COUCH-GESCHICHTEN 5.22 – Der Brief

COUCH-GESCHICHTEN 7.22 – Der Walzer

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ACHTSAME TAGE

ACHTSAMER TAG 2/365 – Erster Spaziergang

Zwischen den Wolken wagen sich einige wenige Sonnenstrahlen durch und dringen vor bis in meine kleine Wohnung. Glitzergelb leuchtet der Ahornbaum vor dem Balkon. Frische würzige Luft dringt von draußen herein.

Heute habe ich meinen ersten Spaziergang nach meiner Krankheit geplant. Ich fühle meinem Energielevel nach und finde, dass die Kraft für einen kleinen Spaziergang ausreichend ist. Ich nehme mir fünfzehn Minuten richtiges achtsames Gehen vor. Auch will ich ein paar Herbstfotos mit meinem Handy aufnehmen.

Nach dem Mittagessen mache ich mich auf. Unweit meiner Wohnung ist ein kleiner Park mit Spielplatz und Ruhezonen. Dort will ich hin.

Erstaunlich wie viele Menschen hin und her laufen und es eilig haben.

Vor mir geht ein glatzköpfiger, braun gebrannter Mann mittleren Alters, Kopfhörer auf und eine offene Bierflasche in seiner linken Hand. Laut singt er ein paar Takte seiner Musik. Ich verlangsame meinen Schritt, als er langsamer wird.

Da steuert er plötzlich auf einen Laubhaufen zu und schwingt mit dem rechten Fuß die Blätter in die Höhe. „Ha!“ schreit er. „Das wollte ich schon lange wieder einmal machen!“ Ich muss lachen. Wie ein Kind tollt er umher. Ich halte einen sicheren Abstand und plötzlich war er verschwunden.

Ein wenig außer Atem komme ich zu den Sitzbänken des Parks und setze mich auf eine freie Bank. In der Sonne ist es ganz schön warm. Ich atme bewusst ein und aus … ein und aus …

Buntes Laub deckt fast die gesamte grüne Wiese zu. Ich mache ein paar Fotos.

Nach meiner Rast, mache ich mich auf den Weg zurück. Dabei entdecke ich in einer Seitenstraße ein thailändisches Restaurant, das ich gerne einmal ausprobieren möchte.

Beim Lebensmittelladen kehre ich ein und hole mir noch einen guten Hühnerräucherschinken samt Frühlingsaufstrich und Äpfel.

Nun merke ich, dass mich dieser kleine Spaziergang doch recht viel Energie gekostet hat.

Zurück in der Wohnung bin ich richtig stolz, dass ich es geschafft habe…


ACHTSAMER TAG 1/365

ACHTSAMER TAG 3/365 – Achtsames Schreiben


 

ACHTSAME TAGE

ACHTSAMER TAG 1/365

Heute ist ein wunderschöner sonniger Herbsttag und ich kann schon früh am Morgen die Balkontüre öffnen um die Sonnenstrahlen in die Wohnung zu lassen. Ich trete auf den Balkon und atme tief die morgendliche würzige Luft ein und aus … ein und aus … ein und aus …

Ja, denke ich, so kann ein achtsamer Tag beginnen. Bewusst den Tag bei und mit sich selbst anfangen.

Ich gehe wieder zurück in die Wohnung und bemerke die Unordnung. Sofort formen meine Gedanken einen Tagesplan, das und das und das ist heute zu machen… „STOP!“, rufe ich mir innerlich zu. Erst mal hinfühlen, was mein Energielevel sagt. Ich setzte mich auf die Couch und atme tief ein und aus … ein und aus …  Dann horche ich genau hin, wie sich mein Körper anfühlt. Mein Bauch fühlt sich verkrampft an. Ich atme weiter tief ein und aus.

Ich erinnere mich an die Worte meines Bruders gestern. Ich solle mein Energiekonto wie ein Sparkonto sehen. Immer weniger Energie verbrauchen, als vorhanden ist, dann füllt sich über einen längeren Zeitraum das Energiekonto.

Mein Körper war noch nicht bereit für die Unordnung, deshalb blendete ich sie mal einfach aus.

„Was kann ich mir Gutes tun?“ kommt es mir in den Sinn.

Eine Tasse Kaffee, ja, danach ist mir jetzt. Die aufkeimenden Gedanken, dass ja Tee gesünder wäre usw, lasse ich vorbeiziehen. Mit dem was ich Gesundes zu mir nehmen könnte, beschäftige ich mich später.

Wieder blafft mich die Unordnung in der Wohnung an, vor allem das nicht abgewaschene Geschirr brüllt mich heftig an. Gelassen versuche ich darüber hinweg zu sehen.

Ich suche mir eine Kaffeetasse raus, wasche sie ab und bereite mir meinen Kaffee zu. Ein gestrichener Teelöffel löslicher Pulverkaffee Crema von Nescafe, ein Süßstoff, heißes Wasser bis zur Hälfte der Tasse drauf und nun mit Milch die Tasse auffüllen. So habe ich ihn am liebsten, meinen Kaffee.

Frühstück habe ich heute nicht vorgesehen, da ich noch keinen Hunger habe. Auch das ist neu, ich esse nur mehr Frühstück, wenn ich auch wirklich Hunger habe.

Nun kuschele ich mich gemütlich auf meine Couch, lege meine Füße hoch und genieße meinen wunderbaren Kaffee in kleinen genüsslichen Schlückchen, während die Sonnenstrahlen im Zimmer ihren Weg fortsetzen.

Stille umgibt mich.

Ja … so kann ein Tag gut und achtsam beginnen…


ACHTSAMER TAG 2/365 – Erster Spaziergang