COUCH-GESCHICHTEN

COUCH-GESCHICHTEN 14.22 – Tanz in den Tod

Gerade steht sie, hoch aufgerichtet auf ihren Zehenspitzen, mit zu einem Kreis erhobenen Händen, grazil, einer Blume gleich, die ihr Gesicht der Sonne zuwendet. Sie bewegt den Kreis sanft über ihrem Kopf hin und her, als ob Wind sie wiegen würde. Das weiße Kleid aus feinem Stoff folgt ihren Bewegungen.

Da, ein schwarzer Schatten von links. Geschwind bewegt er sich hin und her und kommt ihr näher. Doch dann, geblendet von ihrer Schönheit und Anmut, weicht er zurück. Schwebend über dem schwarzen Boden, kaum sichtbar, nur durch einen Hauch von Wind wahrnehmbar, nähert er sich ihr wieder leise.

Sie schmiegt ihren Körper an unsichtbare Pflanzen, dreht sich im Kreis, um sich dann wieder auf Zehenspitzen dem Licht entgegenzustrecken.

Unwirklich ist dieses Bild für den schwarzen Schatten. Er zögert noch, doch dann stupst er sie an. Kurz kommt sie aus dem Gleichgewicht. Erschrocken wegen der Berührung durch den Finsterling, schwebt sie zur Seite. Und wieder stößt er sie an, und wieder, von allen Seiten wirbelt er heran. Er lässt ihr keinen Platz, an dem sie sich hätte aufrichten können.

Langsam wird sie schwächer. Ihre Hände werden schwer und sinken unaufhörlich dem schwarzen Boden entgegen, bis sie in sich zusammenfällt.

Eingerollt liegt sie da, regungslos. Kein Laut ist zu hören.

Ein schwarzes Tuch senkt sich langsam über sie.
Der Schatten hat sie gebrochen…

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Foto: pixabay

COUCH-GESCHICHTEN 13.22 – Die Dame

COUCH-GESCHICHTEN 15.22 – Das Gänseblümchen

ACHTSAME TAGE

ACHTSAMER TAG 13/365 – Auf dem Friedhof

Dieser Beitrag ist Teil der Blog-Aktion: Friedhofspaziergang des Totenhemd-Blogs von Annegret und Petra.

Vorletzte Woche am Donnerstag besuchte ich unseren Salzburger Kommunalfriedhof. Es war wunderschönes Wetter und ich war guter Dinge. Ich hatte genügend Kraft, um dort hin zu fahren. Es ergaben sich einige sehr schöne Bilder, die ich mit dem Handy aufgenommen habe.

Die Stille dort nahm mich sofort in ihren Bann. Es war, als ob ich die herbstlichen Blätter fallen hören konnte. Zwei Amseln vergnügten sich im Gebüsch eines Grabes und holten sich dort ihr Futter. Das anzusehen war eine wunderbare Gelegenheit, sich der Natur bewusst zu werden und in die Achtsamkeit einzutauchen.

Ich setzte mich auf eine Bank und begann mich in die Stille zu versenken. Ganz war ich da, im Moment. Ein leichter Wind strich um meine Wangen. Ich spürte meinen Füßen auf dem Wiesenboden nach und mir wurde bewusst, wie verwurzelt ich schon war in dieser Stadt. Ich fühlte mich richtig heimelig. Die Sonne wärmte mich. Ein wunderbarer Moment…

Da störte ein Motorengeräusch meine Stille. Es kam näher. Ein Traktor mit Anhänger auf dem junge Bäume geladen waren näherte sich mir. Na so was, ich freute mich, durfte ich doch zusehen, wie ein so junges Wesen gepflanzt wurde…

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Der Salzburger Kommunalfriedhof wurde 1879 eröffnet und ist mit cirka 20.000 Grabstellen der größte Friedhof der Stadt sowie des Bundeslandes Salzburgs. Der Friedhof verfügt über eine Fläche von 25 ha und dient vielen Salzburgern auch als Naherholungsgebiet. Neben den Grabanlagen finden sich am Friedhof auch ein anonymes Urnenfeld, Kriegsgräberanlagen, ein niederländischer Soldatenfriedhof, eine Anlage mit Ehrengräbern und ein moslemischer Friedhof.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Salzburger_Kommunalfriedhof

 


ACHTSAMER TAG 12/365 – Alles zerrinnt

ACHTSAMER TAG 14/365 – Anfänger-Geist