COUCH-GESCHICHTEN

COUCH-GESCHICHTEN 18.22 – Das Unwetter

Ein leichter Hauch umweht meine Nase. Die Vögel zwitschern in den Sträuchern. Ein buntes Treiben ist das. Blumenduft liegt in der Luft. Sachte wiegen sie sich in der leichten Brise, die mit einem Schmetterling spielt.

Ich ruhe auf einer Liege auf meinem Balkon. Tee habe ich gerade getrunken, er wärmt mich von innen. Es ist auch im Außen warm, sehr warm, sogar schwül.

Am Horizont türmen sich blaugraue Wolken auf. Sie sind sehr weit entfernt.

Ich schlafe ein.

Jäh erwache ich. Ein starker Wind fährt durch mein Haar. Längst sind alle Vögel ruhig. Schlaftrunken sehe ich die herangekommenen Wolkenmassen. Die Bäume stemmen sich gegen die Böen, die immer stärker werden.

Schnell erhebe ich mich, falte meine Liege zusammen, spanne den Sonnenschirm ab und verschwinde in meiner Wohnung.

Der erste Blitz entlädt sich über dem Nachbarhaus. Noch etwas entfernt grollt der Donner. Aber der Wind nimmt nun Fahrt auf. Er wird zu einem richtigen Sturm. Schon wirbeln Staub und Blätter durch die Luft. Die Nachbarn bringen auf ihren Balkonen noch schnell alle Gewächse in Sicherheit.

Und da blitzt es schon wieder, immer mehr, bis es blitzt und kracht fast gleichzeitig. Das Gewitter ist da, genau über mir. Es fängt an zu regnen, erst nieselt es nur, dann kommt es einem Wasserfall gleich vom Himmel herunter. Die Bäume verbiegen sich, um nicht entwurzelt zu werden. Der Himmel wird pausenlos von Blitzen erleuchtet, begleitet von ohrenbetäubendem Donner.

Da läuft noch ein Mensch auf der Straße, ungeschützt dem Treiben ausgesetzt.

Plötzlich höre ich den Regen immer lauter. Ungläubig schaue ich aus dem Fenster. Ja, wirklich, es beginnt zu hageln. Immer lauter und lauter wird es draußen. Immer größer werden die Hagelkörner. Schon ist die Straße ganz weiß und sieht nach einer Weile aus wie schneebedeckt.

Ich denke an Vaters Garten, der jetzt sehr leidet. Ich denke an Vaters liebevoll gepflanzte Köstlichkeiten wie Erdbeeren, Salate, Tomaten und Gurken. Sie alle werden zerhackt von den Eisbällen. Traurig blickt Vater aus seinem Fenster auf die Zerstörungswut des Unwetters und wie es die tagelange Arbeit in einem kurzen Augenblick zunichte macht.

Wenigstens hat der das Auto in die Garage gefahren, denkt er.

Genauso wie das Gewitter kam, verschwindet es auch wieder. Der Hagel hört auf, der Regen hört auf. Die Wolken lichten sich wieder.

Eine unheimliche Ruhe nach dem Sturm breitet sich aus, als ob Wut und Zorn verraucht sind…

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COUCH-GESCHICHTEN 17.22 – Das Spiegelbild

COUCH-GESCHICHTEN 19.22 – Das erste Mal

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